Cape Le Grand NP

Der Weg von Norseman nach Esperance stand in deutlichem Kontrast zur Nullarbor: über hügelige Straßen schlängelte sich der Weg quer durch teilweise dichte Eukalyptuswälder. Esperance selbst war für uns der größte Ort seit Port Augusta. Ein richtig hübscher noch dazu: am Meer gelegen, viele Grünflächen und nur selten verirren sich Touristen hierher. Zu Fuß erkundeten wir den Ort (und verdrückten noch ein Subway Sandwich), bevor wir uns in der Abenddämmerung in Richtung Cape LeGrand NP aufmachen.

Da man im Park selbst nicht übernachten darf und man so spät auf dem Campingplatz keinen Stellplatz mehr findet, suchten wir uns an der Straße (direkt neben der Einfahrt zu einer Farm) ein Plätzchen. Wir schliefen schon fast, als wir plötzlich hörten, wie hinter uns ein Wagen zum Stehen kam. Sofort waren wir hellwach. Schon bald nahmen wir neben unserem Wagen Schritte war: jemand lief um uns herum und leuchtete mit seiner Taschenlampe überall hin. Wie erstarrt lagen wir oben in unserer Schlafkabine. Wer war das? Ein Ranger? Der Besitzer der Farm der uns wegjagen will? Die Geräusche ließen irgendwann nach, so dass wir noch in einen unruhigen Schlaf fanden.

Am nächsten Morgen löste sich das Rätsel schnell auf: hinter uns parkte ein ganz normaler Campervan, dessen Insassen auch ein Plätzchen für die Nacht suchten. Noch bevor sie wach waren machten wir uns auf den Weg zu den angeblich schönsten Stränden Australiens!

Wir hatten Glück: gerade als wir ankamen verließ ein Wohnwagen den Campingplatz an der Lucky Bay. Die Bucht gehört zu den typischen Reisekatalogmotiven: ein Känguru liegt am schneeweißen Strand, im Hintergrund das türkisfarbene Meer. Kaum ein Katalog kommt ohne eine Variante dieses Bildes aus, welches hier an der Lucky Bay im Cape LeGrand NP aufgenommen wurde. Kaum angekommen, zog es uns schon an den Strand.

Der Sand ist hier so fein (geradezu puderförmlig) dass er hart wie Beton wird, sobald er mit Wasser in Berührung kommt. Nach dem obligatorischen Bad im Meer und einem ausgiebigen Spaziergang am Strand, spazierten wir zurück am Campingplatz, wo wir auch schon Bekanntschaft mit den zahmen Kängurus machten, die hier überall herumliefen. Sind so zutraulich, dass man sie ohne Probleme streicheln kann.

Plötzlich sahen wir, wie sich eins an einem Eimer unseres Nachbarn zu schaffen machte. Wie sich schnell herausstellte wollte es an die kleinen Fische, die als Köder benutzt wurden. Vor unseren Augen begann es diese zu verzehren! Unglaublich. Als die ehrenamtliche Geldeintreiberin des Campingplatzes bei uns vorbei kam, sprach ich sie darauf an. Diese meinte im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Kängurus nicht nur an die Menschen gewöhnt, sondern auch an deren Nahrung. Sie erzählte mir wie eins sogar eine Lammkeule direkt vom Grill gegrapscht und verzehrt hat. Fleischfressende Kängurus… man lernt nie aus.

Am Tag unserer Weiterreise wollten wir am Morgen noch einmal ins Meer. Gesagt getan – und so planschten wir noch eine Weile in den Fluten. Auf dem Weg zurück zum Auto wollte ich die Schlüssel aus der Tasche fischen – es blieb beim Wunsch: sie waren nicht mehr da! Scheiße! Also zurück an den Strand und suchen was das Zeug hält! Nach einer Stunde hatten wir immer noch keinen Erfolg.

Niedergeschlagen gingen wir zum Auto zurück. In Gedanken klapperte ich schon die nächsten Schritte ab: Campingplatzleitung Bescheid geben dass wir nicht los können, Automechaniker rufen, Auto aufbrechen lassen und mit dem Ersatzschlüssel, der unerreichbar im Inneren lag, weiterfahren. Hinten an den Klapptüren meinte ich nur aus Spaß „Vielleicht ist ja offen…“ und zog an der Tür. Sie WAR offen! Dies war das erste und letzte Mal auf unserer Reise, dass wir vergessen haben das Auto abzusperren.

So wurde die „Lucky Bay“ zu unserer ganz persönlichen Glücksbucht… Erleichtert fuhren wir mit dem Ersatzschlüssel zurück nach Esperance, wo wir uns nicht nur mit sechs Subway-Sandwiches eindecken, sondern uns auch einen weiteren Autoschlüssel haben anfertigen lassen…

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